In-Q-Tel: Start-Ups und Geheimdienste

Jungunternehmer, die neue und innovative Produkte entwickeln, finden sich schnell im Dienst des Staates wieder. Sie stehen zwar auf keiner Gehaltsliste, Ihr Geldgeber könnte aber die CIA sein. In-Q-Tel, eine Risikokapitalgesellschaft, die gezielt in neue Technologien investiert, wurde bereits 1989 gegründet. Der Gründer ist die CIA, Geldgeber der US-Steuerzahler.

Outsourcing um neue Mitarbeiter zu gewinnen
Wissenschaftler, die im Dienst des Geheimdienstes stehen, sind nichts Neues. Schon immer haben Militär und Staatsschützer in die Forschung investiert, oft sogar große geheime Laboratorien betrieben. Entwicklungen, wie die Flugzeuge U-2 und SR-71 oder der Satellit Corona, die wertvolle Aufklärungsarbeit leisten, wurden ganz offen von der CIA vorangetrieben. Im Bereich der Verschlüsselungstechnologien und der Informationsauswertung waren Geheimdienste der privaten Wirtschaft weit voraus. Den Mitarbeitern bei der Forschung war dabei bewusst, in wessen Diensten sie standen. Heute sieht es für junge Wissenschaftler anders aus. Wer im Dienst eines privaten Unternehmens forscht, ahnt oft nicht, wer dahinter steht. Wer fragt schon, woher das Geld kommt, mit dem die Firma gegründet wurde? Freiwillig würden viele der jungen und oft eigenwilligen IT-Experten kaum in den Dienst der CIA treten. Dieser Umstand war dem Geheimdienst bewusst. Nach eigener Selbsteinschätzung ist der Dienst für diese Zielgruppe ein unattraktiver Arbeitgeber. Wie treffend diese Einschätzung ist, zeigt der Umstand, dass mehr als 70 Prozent der Firmen, die mit In-Q-Tel zusammenarbeiten, ansonsten keinen Handel mit der Regierung treiben, beziehungsweise, vor der Kooperation keine Handelsbeziehungen hatten. Aus Sicht der CIA ist die Risikokapitalgesellschaft ein voller Erfolg. Obwohl viele der Mitarbeiter kaum direkt für den Geheimdienst arbeiten würden, haben die Firmengründer keine Berührungsangst mit der Gesellschaft, im Gegenteil, eine Beteiligung der In-Q-Tel gilt als Qualitätssiegel, auch hoffen die Betriebe auf Aufträge von der Regierung. Direkte Einflussnahmen auf die Forschung sind durch die Kapitalgeber natürlich nicht möglich, aber von den Ergebnissen der Arbeit profitiert die CIA auf jeden Fall. Auch ist eine Lenkung der Arbeit über die lange „Geldleine“ möglich. Die Herkunft des Geldes durchaus nicht so geheim, wie viele meinen. Der Name In-Q-Tel, setzt sich aus „Q“, dem technischen Entwickler bei James Bond und einer Abkürzung für „Intelligent Technologies“ zusammen.

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Schnelle Produktentwicklungen und breit gefächertes Interesse
Insgesamt hat sich die Forschung besonders im IT-Bereich geändert. Neuer Produkte entstehen oft in wenigen Monaten, statt durch jahrelange Grundlagenforschung. In der Regel werden die Technologien eingeführt und durch Upgrades nach und nach modifiziert. Mit dieser Entwicklung konnte die traditionelle Forschung in staatlichen Instituten kaum Schritt halten. Hinzu kommt, die breit gefächerte Interessenlage, die nur über die dezentrale Forschung ausreichend befriedigt werden kann. Das Spektrum umfasst Suchprogramme und Software, die zur Analyse von Daten und Bildern benötigt wird. Intelligente Übersetzungstools, die auch den Sinn der zu übersetzenden Texte erfassen können. Aber auch in der Computersicherheitstechnologie, bei Energieversorgungssystemen und in der nano- und biotechnologischen Entwicklung gilt es, Schritt zu halten. Statt wie bisher bei der Grundlagenforschung eine Idee zur Nutzung zu entwickeln, investiert man heute in eine Idee, die ein Entwickler für umsetzbar hält. Als Gegenleistung für die Finanzierung der eigenen Ideen versprechen die Firmen gerne die Forschung in eine Richtung zu lenken, die sie für die CIA nutzbar macht. Sonitus Medicals entwickelte aus einer Hörhilfe, die über die Zähne und Gesichtsknochen hören ermöglicht, eine Technik zur unauffälligen Kommunikation. In anderen Fällen erkannte der Geheimdienst ein Potenzial, welches dem Entwickler nie in den Sinn gekommen wäre. Die Firma Keyhole dachte bei der Entwicklung ihrer interaktiven 3D-Visualisierung von Landkarten im kleinen Rahmen. Sie wollte Immobilfirmen beim Verkauf helfen. Diese Technologie wurde Basis für militärische Strategien, wie den Einsatz von Drohnen und auch für „Google Earth„.

Erfolg auf der ganzen Linie
Die Entwicklungen um Keyhole zeigen das volle Potenzial, das hinter dem Outsourcing der Forschung steckt. Heute ist In-Q-Tel an 89 Unternehmen beteiligt. Die Anteile von 39 Unternehmen wurden seit der Gründung verkauft. Google übernahm die Anteile von Keyhole und Microsoft schlug bei Perceptive Pixel zu. Das Unternehmen ist Spezialist für große Touchscreens. RIM, der Hersteller von Blackberry-Handys, erwarb den Funk-System-Hersteller Paratek, der kleinere und Strom sparende Antennen entwickelte. Auch Oracle bediente sich im großen Pool der CIA-Entwicklungen und kaufte Tacit sowie Endeca. Nokia übernahm MetaCarta, um die dort entwickelte Technologie in einen eigenen Karten-Dienst einzubauen. Die Idee zieht eindeutig immer weitere Kreise. Wenn Sie sich heute ein neues Handy oder einen Computer zulegen, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit Wissen dahinter, das mit den Geldern der CIA erworben wurde. Die breiten Anwendungsmöglichkeiten sind typische für die neuen Technologien und so profitieren von den Entwicklungen viele Menschen, auch diejenigen, welche strikte Gegner von staatlich beeinflusster Wissenschaft sind. Ursprünglich sollte In-Q-Tel nur fünf Jahre tätig werden, aber der Erfolg überzeugte schnell. Heute gibt es sogar schon Nachahmer. 2002 zog die die Armee mit der Anlage-Firma Onpoint Technologies nach, um ihren gestiegenen technischen Bedarf zu decken. Die Entwicklungen zeigen, dass die Idee, Steuergelder gezielt in neue Entwicklungen zu stecken, für alle Beteiligten positiv ist. Kritiker gefallen diese Tendenzen nicht, denn eines steht fest, die CIA ist immer ebenfalls Nutznießer der neuen Technologie.

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