Multichannel bei Karstadt – die Kaufhauskette will zum Marktplatz werden

Karstadt hat in den letzten Jahren mit großen Problemen zu kämpfen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Unternehmen zu lange die Zeichen der Zeit nicht erkannt und sich nicht auf den Wandel im Einkaufsverhalten der Menschen eingestellt hat. Das soll jetzt anders werden. Karstadt will Onlinehändlern Ladenflächen bieten, auf denen sie ihre Waren präsentieren können. Kunden können dann sowohl online als auch offline bestellen, einkaufen und retournieren.

Karstadts neues Konzept – die Verschmelzung von E-Commerce und stationärem Handel

Zu lange hat sich Karstadt auf altbewährte Strategien verlassen und die wachsende Bedeutung des E-Commerce ignoriert. Das rächt sich jetzt. Seit Jahren kämpft das Unternehmen mit sinkenden Umsätzen und die Mitarbeiter sehen ihre Arbeitsplätze regelmäßig in Gefahr. Mit dem neuen Konzept soll dieser Entwicklung entgegengewirkt werden. Karstadt strebt an, zu einem Marktplatz für Waren aus dem Online- und Offlinehandel zu werden. Die im E-Commerce viel beschworene Multichannel-Strategie soll auf den stationären Handel übertragen werden, sodass Kunden verschiedene Kanäle zum Einkaufen nutzen können.

Das Problem vieler (gerade junger, aufstrebender) Unternehmen im E-Commerce ist, dass ihr Wachstumspotential durch fehlende Ladenflächen eingeschränkt ist. Hier will Karstadt ansetzen und solchen Unternehmen die Flächen bieten, die sie brauchen. Für die Kunden soll auf diese Weise eine größere Vielfalt beim Shoppen entstehen. Sie werden dann fortan entscheiden können, ob sie online oder offline bestellen, ihre Waren vor Ort angucken oder nicht, ob sie ihre Bestellungen abholen oder sich liefern lassen und ob sie Waren von zu Hause aus retournieren oder hierzu eine Karstadt-Filiale aufsuchen. Jede Aktion soll über jeden Kanal möglich sein.

An diese Kooperationspartner richtet sich das Programm

Aktuell befindet sich das Karstadt-Projekt noch in einer Pilotphase. Sollten sich die ersten Versuche als erfolgreich erweisen, wird es vermutlich ausgedehnt und auf ganz Deutschland ausgeweitet. Als Kooperationspartner wurde Stephan Fanderl, dem Karstadt-Chef, zufolge die spanische Warenhauskette „Sfera“ gewonnen. Deren Waren werden demnächst in verschiedenen Karstadt-Filialen zu haben sein. Prinzipiell richtet sich die neue Strategie an alle Unternehmen, die Ladenflächen nutzen, sich aber keine eigenen zulegen wollen. Gerade für ausländische Unternehmen, die auf dem deutschen Markt Fuß fassen möchten, ist dieses Konzept eine gute Möglichkeit, um sich erst einmal auszuprobieren und die Situationen vor Ort kennenzulernen. Aber auch Unternehmen, die weiter wachsen wollen, wegen fehlender Ladenflächen aber an ihre Grenzen stoßen, werden durch das Konzept angesprochen. Das Konzept bietet die Möglichkeit, eine gelebte Multichannel-Strategie zu fahren, ohne viel Geld in eigene Ladenflächen investieren oder sonstige Risiken eingehen zu müssen.

Für Karstadt ist diese Strategie ein erster Schritt aus der Krise

Es scheint, als hätte Karstadt die Zeichen der Zeit endlich erkannt und als würde sich das Unternehmen auf die neuen Entwicklungen im (Online-)Handel einlassen. Mit der anvisierten Multichannel-Strategie hat das Unternehmen eine Chance, im beziehungsweise neben dem E-Commerce zu bestehen. Es ist zu erwarten, dass die Kunden die Flexibilität goutieren werden, die ihnen das neue Konzept bringt. Dennoch stellt die neue Karstadt-Strategie lediglich einen ersten Schritt auf einem sehr langen Weg hin zu umfassender Rentabilität dar. Es bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen fortan rechtzeitiger auf neue Entwicklungen reagieren und sich darauf einstellen wird.

> Patrick Tarkowski

Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Onlinemarketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.

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