Auf dem Versandhandelskongress in Wiesbaden ging Marc Sommer (Vorstand KarstadtQuelle) hart ins Gericht. Dort präsentierte der Manager drei Hauptfehler aus der Vergangenheit, deren Auswirkungen die Konzernsparte mit ihren beiden großen Versendern – Quelle und Neckermann.de – heute „schmerzlich“ zu spüren bekämen. So hatte die Versandsparte per 30. Juni im Jahresvergleich sinkende Umsätze in Höhe von 11 Prozent und einen Fehlbetrag von 52,6 Mio. Euro ausgewiesen.

Im Detail erörterte Sommer, dass Quelle und Neckermann.de zwar frühzeitig im E-Commerce vertreten waren, die Spitze des Feldes jedoch den „neuen Internet-Anbietern“ überlassen hätten. „Der Benchmark für Transparenz und Service ist hier nicht von den Versandhändlern gesetzt worden. Trotzdem werden wir von unseren Kunden heute genau daran gemessen“, führte Sommer das Dilemma nüchtern aus.

Zudem habe man die Zugpferde des Versandhandels, starke Marken und deren einheitlichen Auftritt, vernachlässigt. „Warum es früher einmal Sinn gemacht haben könnte, die Quelle Shops und die Quelle-Technikcenter getrennt voneinander zu steuern, interessiert den Kunden nicht“ bemängelt der Vorstand die nicht einwandfreie Verzahnung im Multichanneling.

Auch habe man in der Vergangenheit den mündigen Kunden nebst seiner Wünsche unterschätzt und nicht angemessen bedient.

An die Zukunft von KarstadtQuelle Versand glaubt Sommer dennoch. Um die Kehrtwende innerhalb eines Zeitrahmens von drei bis fünf Jahren zu schaffen, will die Konzernsparte etwa die bestehenden Multichannels wie Internet, Quelle-Shops- und Technikcenter zu einem „All-inclusive-Service-Paket“ bündeln und herausstellen.

Die Marken Quelle und Neckermann.de sollen geschärft werden. Für Quelle bedeutet dies, den Qualitätsanspruch mittels des hauseigenen Instituts für Warenprüfung zu betonen und aus der bestehenden Innovationsstiftung resultierende Erfindungen zu vermarkten. Neckermann.de dagegen soll mit provokanten Marketing-Aktionen im Netz werben, um eine „deutlich jüngere“ Zielgruppe anzusprechen. Dort soll auch das soziale Potential ausgeschöpft werden. Im Internet kommunizierende Kunden möchte Sommer verstärkt einbinden. Ziel: neue Produkttrends und Marktwünsche erkennen.

> Mirko Peters

Mirko Peters ist als Medienkaufmann und Senior E-Commerce Manager seit 2002 auf Agentur- und Unternehmensseite. Er berät und betreut Unternehmen und Marken in den Themenfeldern E-Commerce, Online-Marketing und Internet-Strategie und begleitet federführend komplexe Projekte. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Datenanalyse, das Projektmanagement sowie die Entwicklung und Umsetzung effizienter Online-Marketing-Strategien sowie die Umsetzung von komplexen Online-Shops und deren Backend-Prozesse.

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