Interview – Mit Social Media-Bestseller Autor Reto Stuber „Welchen Mehrwert können Sie bieten?“ (2. Teil)

Herr Stuber, viele Unternehmen sehen die Chance, durch Social-Media direkt mit Multiplikatoren und Entscheidungsträgern in Kontakt zu kommen. Was ist bei der Kontaktaufnahme entscheidend?
Grundsätzlich sollte man sich immer überlegen, was man dem Gegenüber für einen Mehrwert oder Nutzen bieten kann. Wenn man versucht, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, dann ist man auf dem richtigen Weg. Wer nur plump um einen Gefallen bittet, ohne selbst in die Vorleistung zu gehen, wird es schwer haben. Ich sehe das wie ein Bankkonto: mit jeder guten Tat steigt der Kontostand, und wer genug einzahlt, der kann auch wieder etwas abheben und jemanden um einen Gefallen bitten.

Viele Unternehmen haben Angst vor negativer Reputation (dem sogenannten „Shitstorm“) durch Social Media. Welche Argumentation sollte ein Mitarbeiter vorbringen, um Budget für Social Media Kampagnen zu bekommen?
Wer mehr Budget will, der muss den Nutzen beim Einsatz von Social Media für das Unternehmen aufzeigen können. Eine Argumentation, dass man damit den „Shitstorm“ vermeiden kann, erachte ich als nicht zielführend. Dieser entlädt sich ja meist dann, wenn das Unternehmen seinen Pflichten nicht nachkommt oder sich unbedacht verhält. Der Stromanbieter TelDaFax hat zum Beispiel 1 Jahr lang unbemerkt auf Facebook hantiert, bevor sich das Blatt gewendet hat – siehe http://www.indiskretionehrensache.de/2011/02/teldafax-facebook.

Zudem haben Unternehmen seit der Einführung der neuen Facebook Seiten viel mehr Kontrolle darüber, was dort angezeigt wird. Ich höre oftmals von KMU, dass Sie Angst vor einem „Shitstorm“ haben. Doch gerade bei kleinen Unternehmen ist die Herausforderung viel eher, dass überhaupt eine Interaktion auf der Facebook-Seite stattfindet!

Eine Faustregel ist sicherlich, dass man Kritik immer professionell und transparent adressiert, und Fehler eingesteht – „nobody is perfect“. Vor allem muss man auch aus dem Feedback lernen und die Dinge in Zukunft besser machen. Jede Kritik ist auch eine Chance, sich als Unternehmen zu profilieren. Der Reaktionsprozess unter kann da eine gute Hilfestellung leisten.

Weiterentwickelte Form des Blog-Assessement-Prozesses der US Navy – Quelle: Goldbach Interactive.

Viele Werber sehen im Social-Media-Marketing eine große Reichweite. Welche Praxistipps können Sie mir geben, um eine hohe Reichweite für dieses Interview zu bekommen?
Ha, gute Frage ;-). Social Media ist nicht einfach ein Kanal, den man auf Wunsch an- oder abschalten kann. Man muss laufend sein Netzwerk pflegen und mit relevanten Inhalten versorgen. Damit erhöht sich dann die Reichweite laufend. Wie man das am besten macht, habe ich in dieser Checkliste zusammengefasst. Abgesehen von Social Media ist für mich E-Mail-Marketing nach wie vor ein sehr wichtiges Medium.

  1. Profile einrichten
  • Sichern Sie sich Ihren Namen auf den wichtigsten Netzwerken Facebook, Twitter, Google+, YouTube, XING und LinkedIn (Prüfung weiterer Netzwerke bspw. via www.knowem.com)
  • Erstellen Sie ein Profil, und füllen Sie dieses möglichst vollständig aus. Nutzen Sie IMMER ein professionelles Bild oder Logo, und verwenden Sie die passenden Stichworte und Synonyme möglichst mehrmals, um über die Suchfunktion gefunden zu werden.
  • Nutzen Sie bei der Registrierung Ihre Haupt-E-Mailadresse, damit Ihre Kontakte Sie einfach darüber finden.

2. Kontaktnetzwerk aufbauen

  • Finden Sie Ihre eigenen Kontakte, indem Sie Ihre eigenen Kontaktdaten hochladen (bspw. Outlook-Adressbuch, oder Verbindung mit anderen Netzwerken).
  • Tools nutzen, zum Beispiel www.xobni.com, welches direkt die Social Media Profile des Mailkontakts anzeigt, oder aktiver XING-Netzwerkaufbau und Akquise mit Tools wie www.xibutler.org oder www.communityboy.org.
  • Regelmäßiger Abgleich der Kontaktdaten der verschiedenen Netzwerke, bspw. alle 6 Monate (Erinnerung im Kalender eintragen).

3. Laufend Top-Inhalte veröffentlichen

  • Publizieren Sie regelmäßig hochwertige Inhalte!
  • Nutzen Sie die Zeiten mit der größten Reichweite (bspw. morgens um 9 Uhr anstelle nachts um 2 Uhr).
  • Planen und Verwalten Sie Ihre Netzwerke mit bspw. mittels www.hootsuite.com oder www.statusmelder.org.

4. Interaktion ist essenziell

  • Fördern Sie möglichst die Interaktion mit Ihren Inhalten, stellen Sie Fragen, nutzen Sie Bilder, schreiben Sie kurze Texte, …
  • Reagieren Sie rasch auf Feedbacks!
  • Interagieren Sie mit Meinungsführern (und sorgen Sie für einen Mehrwert), denn diese haben ein großes Netzwerk.
  • Richten Sie Notifikationen ein, wenn sich etwas auf Ihren Auftritten tut oder jemand Ihnen eine Nachricht sendet (die Sie bspw. via E-Mail zugestellt erhalten).
  • Richten Sie sich ein Monitoring für eigene Suchbegriffe ein (bspw. www.google.ch/alerts, www.hootsuite.com)

5. Machen Sie Besucher zu Fans

Die letzten Worte sollen von Ihnen direkt an unsere Leser gehen! Darum schon einmal vielen Dank für das Interview.
Danke für die Interviewanfrage! Ich hoffe, diese Einblicke geben hilfreiche Tipps für die Praxis. Wer mehr möchte, kann sich unter www.socialmediabuch.com 100 Seiten aus meinem Buch kostenlos herunterladen, und für ein persönliches Coaching im Bereich Online Marketing und Social Media stehe ich unter www.socialmediakommunikation.com zur Verfügung!

Reto Stuber ist Online-Unternehmer und nutzt die Möglichkeiten des Internet, um für sich und seine Klienten mehr Business zu generieren. Als Dozent und Speaker für Online Marketing Themen und über verschiedene Online- und Print-Publikationen gibt er sein Know-How weiter.

Weitere Details zur ZEMM-MIT-Methode und dem Umgang mit den wichtigsten sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Google+, YouTube, XING und LinkedIn finden Sie in dem Bestseller „Erfolgreiches Social Media Marketing“ (ISBN: 978-3815830635, 29.95 Euro, 6. Auflage September 2012). 100 Seiten aus dem Buch gibt es zum kostenlosen Download unter http://www.socialmediabuch.com.

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