Interview – Mit Social Media-Bestseller Autor Reto Stuber „Welchen Mehrwert können Sie bieten?“ (1. Teil)

Herr Stuber, Sie haben das Buch „Erfolgreiches Social Media Marketing“ geschrieben. Welche Intention hatten Sie dieses Buch zu schreiben?
Ich schrieb das Buch Mitte 2010. Zu dem Zeitpunkt gab es in Deutschland nur eine beschränkte Auswahl an Literatur. Meine Intention war es, dem Leser einen Leitfaden an die Hand zu geben, um im Dschungel der sozialen Medien den Weg zu finden. Die Zielgruppe sind dabei Selbstständige, KMU und Marketing- oder Kommunikationsverantwortliche.

Dabei wollte ich sowohl „High-level“-Konzepte vermitteln, wie zum Beispiel die ZEMM-MIT-Methode zur Strategieentwicklung, wie auch ganz konkrete „Hands-on“-Anleitungen („Jetzt klickst Du hier“) zu den wichtigsten sozialen Netzwerken. Mein Ziel war es, ein Buch von der Praxis für die Praxis zu schreiben.

Es wurde sehr gut vom Market aufgenommen und hat sich in der Zwischenzeit weit über 10.000 mal verkauft. Durch die raschen Veränderungen in den sozialen Medien musste ich natürlich auch fleißig die Inhalte überarbeiten. Aktuell ist das Buch in der 6. Auflage erhältlich und umfasst rund 640 Seiten.

Viele Unternehmen glauben das Social-Commerce nicht funktioniert, jüngst haben sogar einige Unternehmen ihre Facebook-Shops geschlossen. Wie stehen Sie diesem Thema gegenüber?
Ein sehr spannendes Thema. Heute ist es bei den meisten Firmen tatsächlich so, dass der direkte Verkauf auf Facebook und Co. nur einen minimalen Anteil am Umsatz ausmacht. Sollte man deshalb darauf verzichten? Ich denke nicht, denn das Potenzial ist vielversprechend – Analysten sagen massives Wachstum voraus, und wer heute schon lernt, wie man am besten die eigenen Angebote unter die Leute bringt, ist den Mitbewerbern künftig voraus. Eine gute Möglichkeit sind zum Beispiel die Facebook Angebote („Offers“).

Was aber noch wichtiger ist: dass Sie Ihre Webseite und den eShop auch mit sozialen Funktionen ausstattet, sodass Kunden Produkte bewerten, liken, teilen, folgen etc. können. Dazu kommt, dass Kunden rasch ein Feedback auf Fragen erwarten – Live-Support auf einer Verkaufsseite kann da viel bringen.

Wie jeder andere Verkaufskanal, bedürfen auch die sozialen Medien einer cleveren Planung. Einfach einen Shop auf die Facebook-Seite zu knallen wird nicht funktionieren, vielmehr bedarf es einer klaren Strategie, wie ein solcher Verkaufsprozess auf Facebook ablaufen soll. Man darf als Unternehmen nicht vergessen, dass die Nutzer in den sozialen Medien sich primär dort aufhalten, um sich mit dem eigenen sozialen Umfeld auszutauschen – und nicht um mit Werbung bombardiert zu werden oder etwas zu kaufen.

Wie kann ein Unternehmen herausfinden, welche sozialen Netzwerke für sie funktionieren?
Grundsätzlich muss man das testen, wie alles in den Online-Medien. Aufgrund der schieren Masse an Nutzern ist Facebook aber in 90 % der Fälle ein guter Ort, um zu starten. Um die relevanten Netzwerke aufzudecken, habe ich die ZEMM-MIT-Methode entwickelt.

Die Abkürzung ZEMM-MIT steht dabei für folgenden Ablauf:

  • Ziele setzen: Man muss sich zuerst überlegen, warum man in den sozialen Medien aktiv werden will und welche Ziele man damit verfolgt.
  • Entdecken: Dann geht es darum, herauszufinden, wo die relevante Community/Zielgruppe ist, mit der man sich austauschen möchte.
  • Mitmachen: Wenn das geklärt ist, kommt das aktive Mitmachen in diesem Umfeld, indem man einen Mehrwert für das Gegenüber schafft.
  • Managen: Zu guter Letzt geht es dann darum, die eigenen Aktivitäten möglichst effizient und effektiv zu gestalten und dafür die geeigneten Tools zu finden – und die vorherigen Abläufe in einen laufenden Prozess zu überführen.

Der MIT-Teil steht für Menschen, Inhalte und Tools – die drei zentralen Komponenten für mich, wenn wir von sozialen Medien sprechen. Unter www.socialmediabuch.com/zemm gibt es das ganze Kapitel zur ZEMM-MIT-Methode kostenlos.

Sie leben in Amerika, man hört oft das die Amerikaner schon viel weiter in der Nutzung von Social-Media sind. Stimmt das und wenn ja wie unterscheidet sich die Nutzung?
Dazu wurde ich kürzlich gerade interviewt, und verweise gerne auf das zugehörige Video. Da können die deutschen Leser auch gleich ihren Wortschatz der Schweizerdeutschen Sprache auffrischen :-).

Gibt es für Sie Unternehmen im Social-Web die Sie als „Best practice“-Beispiele anführen können. Was machen diese Unternehmen aus Ihrer Sicht besser als andere?
Ich habe im Buch einige erfolgreiche Kampagnen und Firmen vorgestellt. Ich empfehle generell, dass man sich in der eigenen Industrie umsieht, was die Mitbewerber gut machen – und sich dann daraus und auch aus anderen Branchen inspirieren lässt. So muss ein kleines Unternehmen im B2B Bereich ganz anders an das Thema herangehen als eine bekannte große Marke im Consumerumfeld, wie bspw. Coca Cola.

Social Media verändert definitiv die Schnittstellen zwischen Unternehmen und Umwelt – und kann deshalb auch an diesen Schnittpunkten zum Einsatz kommen, sei es in der Unternehmenskommunikation, im Marketing, beim Kundendienst, in der Produktentwicklung etc. Durch diesen transparenteren Austausch mit der Umwelt kann und soll das natürlich auch wieder einen Einfluss auf das Unternehmen, seine Prozesse und Kultur haben. Social Media ist praktisch immer eine Ergänzung zum bestehenden Kommunikations- und Marketingmix eines Unternehmens.

Das Thema Fachkräftemangel ist in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Immer mehr Fachkräfte lassen sich nicht mehr nur durch ein höheres Gehalt locken. Wie sollten Unternehmen im Social-Web Employer Branding betreiben, und wie sieht Social-Recuitment heute aus?
Beim Einsatz von sozialen Medien geht es im Kern immer um Beziehungen. Employer Branding ist dabei im Grunde genommen nur ein „Nebeneffekt“, denn der potenzielle Mitarbeiter schaut sich den Social Media Auftritt ganzheitlich an. Dabei wird darauf geachtet, wie das Unternehmen sich generell präsentiert, wie es kommuniziert und reagiert – und natürlich, wie der Umgang mit Kritik ist. Größere Unternehmen haben oftmals auch eine eigene Karriereseite, doch der Umgang damit ist noch lange nicht überall in Fleisch und Blut übergegangen. Rund die Hälfte der Betreiber einer solchen Karriereseite reagieren NICHT auf Feedback!

Meine Einschätzung: Employer Branding muss als Bestandteil einer Gesamtstrategie verfolgt werden. Durch gezielte Botschaften und die Kommunikation von verfügbaren Positionen oder Benefits für Mitarbeitende lassen sich passive Kandidaten motivieren. Ebenfalls sehr wichtig ist die Aktivierung von bestehenden Netzwerken, wie bspw. die eigene Mitarbeiterschaft oder Alumni.

Herr Stuber, danke für dieses Interview! Den zweiten Teil davon werden wir in wenigen Tagen hier veröffentlichen, unter anderem mit einer essenziellen Social Media Checkliste.
Reto Stuber ist Online-Unternehmer und nutzt die Möglichkeiten des Internet, um für sich und seine Klienten mehr Business zu generieren. Als Dozent und Speaker für Online Marketing Themen und über verschiedene Online- und Print-Publikationen gibt er sein Know-How weiter.

Weitere Details zur ZEMM-MIT-Methode und dem Umgang mit den wichtigsten sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Google+, YouTube, XING und LinkedIn finden Sie in dem Bestseller „Erfolgreiches Social Media Marketing“ (ISBN: 978-3815830635, 29.95 Euro, 6. Auflage September 2012). Eine 100 Seiten Leseprobe gibt es zum kostenlosen Download unter http://www.socialmediabuch.com.

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