Interview mit Sascha Langner von marke-x.de

Herr Langner, Sie beitreiben mit marke-x.de eines der reichweitenstärksten Internetportale zum Thema Online Marketing. Was ist Ihr Erfolgrezept?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Schließlich ist es schwer bzw. fast unmöglich „Erfolg“ zu planen. Ich denke, dass das Interesse der Leser an marke-x.de auf verschiedenen Faktoren beruht. Ohne mich jetzt selbst beweihräuchern zu wollen, glaube ich, dass – wie bei jedem anderen Magazin auch – letztlich die Qualität der Inhalte über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Und die Idee Online-Marketing aus einer praxisnahen, kosteneffizienten Sichtweise aufzuarbeiten, scheint gut anzukommen.

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Woher nehmen Sie die Inspirationen für Ihre Themen?

Sehr unterschiedlich: Weblogs, Newsletter, Fachportale aus den USA, Magazinartikel, klassische Fachliteratur. Meistens ist es eine Mischung aus vielen Quellen, die ein Thema besonders interessant erscheinen lassen – manchmal reicht aber schon eine einzelne Meldung. So war ich beispielsweise überrascht, als ich in einem Newsletter las, dass der Erfolg des Webbrowsers Firefox unter anderem auf die Community „spreadfirefox.com“ zurückgeht. Die Idee hinter dem Projekt, ein Produkt gemeinschaftlich mit Tausenden von Marketinginteressierten aus der ganzen Welt zu vermarkten, fand ich so anziehend, dass daraus der Artikel „Open Source Marketing – ein schlafender Riese erwacht“ entstand.

Was ist Ihre Meinung, wohin gehen E-Commerce und Online Marketing in den kommenden 5 Jahren?

Die Professionalisierung und Automatisierung im Web wird weitergehen. Immer weniger Menschen werden sich mit relativ technischen Themen wie beispielsweise „HTML“ oder „JavaScript“ auseinandersetzen müssen, um eine erfolgreiche Website zu führen oder im Web inhaltlich vertreten zu sein. Diese Entwicklung kann man schön bei Weblogs oder etwa dem amerikanischen Portal myspace.com verfolgen. Auch Shop-Systeme werden immer benutzerfreundlicher und zugänglicher. Technisches Detailwissen wird für die Masse der Nutzer in fast allen Bereichen des Web immer unwichtiger. Für das Marketing und damit den E-Commerce bedeutet das, dass das Internet seine wahre Stärke ausspielt: die soziale Vernetzung der Menschen – das Social Web. In den nächsten 5 Jahren werden daher Strategien und Taktiken immer wichtiger, die die Kommunikation zwischen den Menschen selber nutzen, um Marken bekannter zu machen und/oder Produkte und Dienstleistungen an den Mann zu bringen wie etwa „Viral Marketing“ oder „Open Source Marketing“. Das heißt natürlich nicht, dass die klassischen Methoden des Internet Marketing nicht mehr funktionieren. Wer jedoch seinen Wettbewerbern auch in Zukunft einen Schritt voraus sein will, muss sich schleunigst mit dem „Web 2.0“ und den Konsequenzen daraus beschäftigen.

Einen hervorragenden Artikel „Märkte sind Gespräche“ über die zur erwartenden Entwicklungen haben vor ein paar Monaten die Blogger Klaus Eck und Martin Oetting im Handelsblatt veröffentlicht.

Wenn Sie einen Onlineshop z. B. für PC Hardware betreiben würden, wie würden Sie versuchen, sich aus der Masse der Anbieter abzuheben?

Ich würde mich spezialisieren. Hardware-Shops gibt es mittlerweile mehr als genug, darunter hochgradig professionelle Anbieter mit einem großen Stammkundenbestand wie etwa alternate.de, computeruniverse.net oder cyberport.de. Dazu mischt seit ein paar Jahren auch noch Amazon kräftig mit im Business. Wie soll man gegen diese mächtigen Unternehmen ankommen?

Da der Hardware-Markt auf hochgradig standardisierten Produkten basiert, ist eine mögliche Strategie natürlich, den Preis zu senken. Mit einer kleineren Gewinnspanne kann man über einen hohen mengenmäßigen Absatz durchaus einen guten Schnitt machen, z.B. wenn man sich durch den niedrigen Preis eine Top-Positionierung in den Preissuchmaschinen sichern kann. Doch auch von diesen „Schnäppchen-Anbietern“ gibt es mittlerweile sehr viele. Also alles andere als eine zukunftssichere Vorgehensweise.

Sinnvoller ist es, zunächst einmal einen Schritt zurückzutreten und sich den PC-Markt im Ganzen anzuschauen. Wohin wird sich der Markt wohl entwickeln? Was sind relevante Trends?

Eine der zentralen Entwicklungen der letzten Jahre ist die wachsende Bedeutung von Design. Apple hat es vorgemacht: Ein Computer kann nicht nur produktiv sein, sondern gleichzeitig wunderschön dabei aussehen. Auch im PC-Markt hat sich viel getan. Immer öfter stehen Computer nicht mehr in einer unsichtbaren Ecke im Arbeitszimmer, sondern mitten im Wohnzimmer. Damit das jedoch funktioniert, bedarf es einer erheblichen Aufwertung der Optik eines Rechners. Hersteller wie LaCie oder Shuttle sowie die wachsende Modder-Szene zeigen, dass nicht nur ein Markt für schön gestaltete PCs besteht, sondern dass Kunden dafür sogar bereit sind mehr zu zahlen. Doch was derzeit fehlt, ist ein Online-Shop, der sich auf „Design-PCs“ und „Design-Hardware“ spezialisiert hat.

Was ist Ihre Meinung zu den Technologien Flash und AJAX und ihrer Integration in den E-Commerce?

Das kann man nicht global beantworten. „Technologien“ wie Flash müssen immer abhängig vom zu erreichenden Ziel und der anvisierten Zielgruppe betrachtet werden. Soll ein Produkt beispielsweise in einer Animation näher erläutert werden, ist dies ein komplett anderes Einsatzfeld als beispielsweise als „Intro-Video“ beim Betreten einer Website. Beides kann im falschen Zusammenhang und/oder bei der falschen Zielgruppe den Erfolg steigern oder senken. Um eine verlässliche Entscheidung über den Einsatz zu treffen, hilft nur vorher Experten zu befragen und zu testen. Ähnlich verhält es sich auch bei AJAX.

Was war für Sie der Marketing Coup des Jahres 2005 im Internet?

Es gab ne Menge cooler Kampagnen und Aktionen. Welche Idee ich persönlich als besonders ungewöhnlich empfand, ist die Aktion des Oldenburger Unternehmens ashampoo „Politker reißt Euch zusammen“. Anlässlich der Ämterschacherei nach der Bundestagswahl 2005 schaltete der Geschäftsführer des Software-Unternehmens eine ganzseitige Anzeige in der FAZ. Zentraler Inhalt: Ein Aufruf zur Raison an die Politiker und eine URL. Letztere führte auf die Website des Software-Unternehmens, wo man Kommentare an die Politiker abgegeben konnte. Ohne tatsächlich für sich zu werben „lockte“ das Unternehmen so innerhalb weniger Tage Zehntausende von Nutzern auf die ashampoo-Website. Über 4.000 Engagierte veröffentlichten sogar einen persönlichen Kommentar. Die Aktion war so erfolgreich, dass selbst der Spiegel über die ungewöhnliche Idee ausführlich berichtete.

Wieviele E-Mails erhalten Sie täglich?

Im Durchschnitt 50-70 davon ca. 40% SPAM 🙁

Was sind Ihre Top 3 Seiten, wenn Sie einfach nur mal surfen oder entspannen wollen?

Da gibt es eine Menge, aber meine liebsten sind:
www.boreme.com
www.gamespy.com
www.spiegel.de

Wir bedanken und recht herzlich für dieses ausführliche Interview bei Sascha Langner.

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