Die Interviewpartner:

Phil Whitehead ist verantwortlich fuer Marketing und Vertrieb bei ZeroOne (NZ) Ltd. in Wellington, einem der fuehrenden Marcromedia/Adobe-Partner in AsiaPacific.

Kai Koenig arbeitet als Digital Solutions Architect fuer ZeroOne (NZ) Ltd. in Wellington und bloggt als AgentK auf www.bloginblack.de

Kai, Du bist im letzten Jahr nach Neuseeland ausgewandert. In Deinem Blogbeitrag Bankgeschäfte in NZ hast Du ja schon beschrieben, dass im Gegensatz zum europäischen Online Banking in Neusseland einiges anders ist. Ist das Onlineshoppen auch anders? Wenn ja, wie? Phil, welche Erfahrungen hast Du mit dem Onlineeinkaufen in Neuseeland gemacht?

Kai: Das Onlineshoppen ist anders. In der Regel hat man es mir kleineren Unternehmen zu tun, die sehr um Ihre Reputation bedacht sind. Die Mehrzahl der Firmen in Neuseeland hat um die 10-20 Mitarbeiter und ist sehr an einem guten und funktionierenden Kundenservice orientiert.

Phil: Ich kaufe eigentlich nahezu alles online. Das faengt bei Lebensmitteln an und geht ueber Elektronik und Do-it-yourself-Zubehoer bis hin zur Suche nach einem Stueck Land oder einem Haus. Bislang habe ich damit nur positive Erfahrungen gemacht, wenn es mal kleinere Schwierigkeiten gab, wurden diese unkompliziert behoben. Wie Kai schon sagte ist Neuseeland ein kleines Land und der Ruf eines Unternehmens ist fuer dessen Markterfolgt sehr wichtig.

Phil, kannst Du uns mal einige Beispiele von Neuseeländischen Onlineshops geben und uns sagen was Dir daran gefällt und warum?

Phil: Eine der groessten Sites in Neuseeland und auch eine meiner Lieblingsseiten ist Trademe.co.nz (eine Auktionsseite aehnlich Ebay). Einfach zu verstehen und zu benutzen und man bekommt dort im Prinzip alles von Gebrauchtmoebel bis hin zu Computerspielen und Autos. Trademe ist unglaublich erfolgreich und sie haben es geschafft eine riesige Community von Kaeufern in Neuseeland an sich zu binden.

Aus meiner Sicht sind die Kernelemente, die eine e-Commerce-Site erfolgreich machen:

– die Nutzer muessen Dinge einfach suchen und finden koennen
– es muss gut funktionierende Informationsfilter geben
– das Layout muss ansprechend and simpel sein, damit die Site auch mit Einwahlverbindungen per Modem oder ISDN gut funktioniert
– die Site muss ein gutes Nutzertracking haben und aus Nutzersicht darueber moeglichst viel Komfort bieten (Watchlisten, Empfehlungen etc.)

Meine andere Lieblingsseite ist woolworths.co.nz (Online-Supermarkt). Das Layout und die Suchfunktionalitaet koennten noch verbessert werden, wenn man aber einmal seine Stamm-Einkaufsliste hat ist es unglaublich einfach, Artikel dieser Liste zu bestellen. Ausserdem liefert Woolworths am gleichen Tag.

Kai, Du bist als Speaker auf zahlreichen Veranstaltungen gewesen und hast die Trendsetter im Entwicklungsbereich kennen gelernt, wo geht aus deiner Sicht die Reise hin?

Kai: Von einem Technologie-Standpunkt aus gesehen, gehoert im Applikationsumfeld ganz klar der Rich Internet Applikation die Zukunft. Es ist mir wichtig, hier ganz klar eine Unterscheidung zwischen Applikation und Website zu sehen und vor allem den Begriff Rich Internet Applikation offen zu lassen. Bei lezteren kann es sich z.B. um Flash-basierte Anwendungen handeln, wir koennen allerdings auch Java Webstart als beispielhafte Technologie annehmen.

Fuer extrem viele Anwendungsfelder ist HTML mit CSS wunderbar geeignet – prima um layouteten Content darzustellen. Wenn es dagegen um Applikationen geht, wird die reine HTML-Seite mit Servertechnologie dahinter im Laufe der naechsten 1-2 Jahre ausgestorben sein. Eine andere Sache ist AJAX – hierbei interagieren HTML-basierte Applikationen mit dem Server, so dass man das bekannte „Page refresh“-Problem von HTML-Seiten entschaerfen kann.

Phil, HTML-basierte Applikationen mit AJAX vs. RIAs mit Flash und Flex, was ist die bessere Alternative?

Phil: Das ist schwer zu beantworten, es kommt immer sowohl auf die Anforderungen des Kunden als auch auf bereits vorhandene Infrastruktur an. In vielen Faellen ist die Implementierung einer RIA mit Flash und Flex der bessere Weg, weil die Technologie mehr Spielraum fuer Ideen laesst. Mit AJAX kann man zwar einige Probleme klassischer HTML-getriebener Anwendungen loesen, aber bei weitem nicht alle.

Kai, In Deinem www.bloginblack.de reflektierst Du was Dir so als Entwickler unter die Finger kommt, was ist da deine Triebfeder?

Kai: Ganz ehrlich? Die Hauptmotivationen sind Ruhm, Ehre, Networking und Spass. Ich muesste luegen, wenn ich behaupten wuerde, dass ich da nur mit altruistischen Motiven rangehe. Das Blog hat mich einerseits beruflich extrem weitergebracht, weil es eine unheimlich gute Moeglichkeit ist mit Leuten zu kommunizieren und sich selbst bekannt zu machen. Andererseits hat das natuerlich auch persoenliche Auswirkungen, ich habe darueber neue Freunde und Bekannte in der ganzen Welt gefunden – und am Ende letztlich auch einen Job in Neuseeland.

Kai, Da ich Dich kenne, muss ich Dich einmal bitten Deine ganzen Gadgets aufzuzählen 😉

Kai: Ey, so schlimm ist das gar nicht ?. Vor unserer Auswanderung haben wir eine ganze Menge Krams abgegeben und verkauft. Im Moment besitzen wir 2 Laptops, diverse externe USB-Festplatten, 2 SonyEricsson P910i, 2 iPods 20 GB, einen GameBoy Advance, ein Nintendo DS sowie eine Playstation Portable. Dazu habe ich noch ein PocketPC Harrier-Smartphone von meiner Firma und ein wirklich cooles iPod-Dock-Boxenset von Bose sowie eine Canon A80. Die neueste Errungenschaft sind Touchlampen im Schlafzimmer, die man einfach nur anfassen muss, um die Helligkeit zu regulieren oder die Lampe an- und auszuschalten – die durchzusetzen war ein harter Kampf. (Anmerkung des E-Commerce Blog: Mit Diane)

Im Buero nutze ich einen HP Compaq nx8220 Laptop mit 1.5 GB RAM und allem moeglichen Spielkram (aber hey, dafuer kann ich nichts, das wird mir hier immer hingestellt…?)

Wieviel Geld gibt man in Neuseeland in einem durchschnittlichen Monat im Internet aus?

Phil: Hmm, schwierig. Das haengt im wesentlichen natuerlich von der Person ab. Ich selbst gebe etwa NZD 300-400 pro Monat aus, das sind ca. so um die 200 Euro. Der durchschnittliche Trademe-Nutzer gibt darueber vielleicht um NZD 100 aus.

Kai: Die reinen Connectivity-Kosten in Neuseeland sind vergleichsweise moderat. Fuer DSL zuhause bezahlt man hier ab ca. NZD 40-80 pro Monat, je nach gewuenschter Geschwindigkeit und Freitraffic. „Echte“ Flatrates sind uebrigens voellig unbekannt.

Phil, Kai, wo und was würdet Ihr auf keinen Fall Online einkaufen und warum nicht?

Phil: Ich kaufe eigentlich keine Kleidung online, da ich das immer an mir oder anderen Personen angezogen sehen muss. Ich versuche ausserdem nur bei Shops einzukaufen, die einen guten Ruf haben oder zumindest lokal bzw. International bekannt sind.

Kai: Sehe ich genauso, und was gar nicht geht, sind Sites, die auf SSL verzichten. Absolutes No Go!!!

Vielen Dank für das Interview!


> Mirko Peters

Mirko Peters ist als Medienkaufmann und Senior E-Commerce Manager seit 2002 auf Agentur- und Unternehmensseite. Er berät und betreut Unternehmen und Marken in den Themenfeldern E-Commerce, Online-Marketing und Internet-Strategie und begleitet federführend komplexe Projekte. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Datenanalyse, das Projektmanagement sowie die Entwicklung und Umsetzung effizienter Online-Marketing-Strategien sowie die Umsetzung von komplexen Online-Shops und deren Backend-Prozesse.

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