Headlines gestalten: Slogans und die alten Griechen

Head-Lines

Natürlich ist das Thema längst abgegrast. Haben schon alle darüber geschrieben. Mittlerweile sollten doch endlich alle wissen, wie man einen Titel interessant gestaltet, damit alle klicken! Darum geht es mir hier aber gar nicht. Mir geht es eher darum, mal einige Beobachtungen loszuwerden, die ich in den letzten Monaten so gemacht habe. Wir alle wissen, dass auch hier Trends sich verändern. Titelüberschriften bleiben aber nach wie vor wichtig. Sie animieren uns zum Klicken. Warum klicken wir also?

Tipps, Tricks, Top-Five, Top-Seven, Top-Ten

Der Trend der Zahlen ist noch nicht vorbei. Immer noch bleibt unser Gehirn dort hängen, wo es etwas Schnelles zu erfahren gibt. Die Zahlenabfolgen strukturieren das Ganze und man hat es mit einem Blick. Wir lesen die Titel, die häufig als long-tail verfasst sind, als Frage oder als Antwort im Raum stehen. Versehen mit einem positiven Adjektiv, so etwas wie „gute“, „beste“, „perfekte“ oder eben umgekehrt, ins Negative gedrückt, mit Superlativen wie „die schlechtesten“, „die furchtbarsten“ und so weiter.

Man hat ein Gerücht in die Welt gesetzt, basierend auf irgendeiner Studie, die bis zu mir noch nicht durchgedrungen ist, die es aber bestimmt irgendwo gibt und in der ein Fünkchen Wahrheit steckt. Diese besagt, dass ungerade Zahlen sich besser dazu eignen würden, als Tipps, Tricks oder Top-irgendwas geklickt zu werden. Also immer schön 3,5,7 wählen. Danach wird es psychologisch aber heikel. 9 ist dann nicht mehr so angesagt. Dann lieber gleich 10. Ist dann eine runde Sache und Top-Ten kennen wir aus den Musik-Charts.

Mittlerweile sieht man das auch alles seltener, außer bei Seiten, die viralen Content damit verbreiten und genau durch so „Schock-Videos“ oder „Supergeil-Videos“ und auffälligen Geschichten bekannt geworden sind. Ich habe das auch ein paar Mal versucht mit den Zahlen, mit kleineren Aufzählungen und Stichpunkten, aber ich lande dann trotzdem irgendwie immer im längeren Text.

Die letzten Trends bei Tipps, Tricks und Top-irgendwas

Die letzten Trends, die ich beobachtet habe diesbezüglich langweilen mich ein wenig, aber sie funktionieren augenscheinlich. Wenn man sich fortwährend auf Blogs herumtreibt, hat man das Gefühl, als würden alle wahnsinnig interessante und gute Texte schreiben. Als Blogger wird man oft Blogger-blind. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein. Die meisten bedienen sich einiger Spielereien und schon wirkt das alles wieder frischer und anders.

Derweil hat man den Zahlen noch einen Zusatz beigefügt. Neben dem „die 7 miesesten XXX“, wird eine weitere Zeile eingefügt, die noch stärker zum Klicken animieren und den Leser neugierig machen soll. So Sätze wie „Und Nummer 3 hat mich wirklich schockiert“ oder „Mit Nummer 6 hätte ich nie gerechnet“. Ja klar, dann wollen wir doch erst recht wissen, was da los ist. Ich habe auch einige Male sofort geklickt, weil ich es unbedingt wissen wollte, bis es mich aber dann nicht mehr interessiert hat, was nun irgendeine andere Zahl noch besonderer macht als schon die 7 Punkte zuvor.

Ein weiterer Trend ist die Negation der Ratschläge, was meiner Meinung nach Verwirrung stiftet. „Die 5 nervigsten Dinge, die man auf keine Fall tun sollte.“ Dann liest man, was man niemals tun darf, sonst gibt es was eigentlich? Die Todesstrafe? Erfolglosigkeit für den Rest des Lebens? Das ist natürlich in Ordnung, bei so Gesundheitsgeschichten. Klar machen Solarium und Alkohol die Haut nicht besser, aber man wird doch wohl als erwachsener Mensch selbst entscheiden dürfen, ob man beim ersten Date bestimmte Themen anschneidet oder nicht?!

Die Griechen, die Römer und die Werbung

Wir Menschen brauchen uns ja nicht einbilden, dass wir dauernd das Rad neu erfinden. Das tun wir nicht. Womöglich hat irgendwo da draußen jemand anderes schon über dieses Thema geschrieben. Nicht so, wie ich es mache, also hoffen wir auf Unique-Content. In jedem Fall ist klar, dass man ruhig mal bei den alten Griechen und unseren Meisterliteraten, derer es in Deutschland nicht wenig gibt, ein wenig abgucken darf. Ich mache das gerne und auch andere Blogger sind da sehr einfallsreich und wortgewandt.

Das mag auch manche Menschen langweilen und ihnen gefallen halt Zahlen besser, aber wir wollen hier ja einfach mal verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, gute Titelüberschriften zu verfassen. Ich persönlich mag Alliterationen gerne, sprich, wenn einzelne Wörter hintereinander gesetzt werden, die mit den gleichen Anfangsbuchstaben beginnen. Hierbei achtet man am besten noch darauf, dass es 3 Wörter sind. Da ist sie wieder, eine magische, ungerade Zahl. Das Trikolon, äußerst begehrt auch beim römischen Kaiser Cäsar: „Veni, vidi, vici“; „Ich kam, sah und siegte“. Eine tolle Steigerung, also eine Klimax ist außerdem noch mit dabei.

Viele Werbeslogans basieren auf diesen rhetorischen Figuren oder Stilmitteln. Manche Werbe-Texter setzten sie interessanterweise intuitiv, andere sehr bewusst. Diese werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, auf die ich jetzt nicht näher eingehe. Eher weniger bekannt ist die Umkehrung der Alliteration, die in dem lateinischen Satz von Cäsar auch vorhanden ist. Wörter enden auf die gleiche Art und Weise. Das nennt man ein Homoioteleuton.

Ich sage es Ihnen nur beiläufig, damit Ihr nächstes Gespräch diesbezüglich in der Cocktail-Bar ein Erfolg wird. Eines der bekanntesten Beispiele aus der Werbung hierfür ist „BlackundDecker,BlackundDecker,BlackundDecker“, wobei hier einfach eine Wiederholung vorliegt und es klar ist, dass alles gleich endet. Im Übrigen kommt noch etwas Großartiges hinzu. Ein Klang, man hört quasi das Gerät, das beworben wird. Da sprechen wir womöglich von einer Synästhesie, dem Zusammenkommen verschiedener Sinne. Selbigen Effekt hat auch das Reimen, wir mögen das.

Man sieht also, Titelüberschriften funktionieren wie kleine Slogans. Prägnant, interessant und einfangend, geschmückt mit ein paar Zahlen oder Lautmalereien. Einfach bei den Griechen und Römern abgucken, machen viele in der Werbung so. Eine gute Mischung macht es, nicht zu viel von einem, das langweilt die Leser, aber man kann auch schon mal Mainstream sein und sich Trends anschließen. Alles prima.

Ps. Ich habe es mir überlegt … reden Sie in der Disco beim Flirten lieber nicht davon …

 

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