Erfolgreiche E-Commerce Start-Ups in Berlin II

In dem zweiten Teil der Reihe über die Start-Ups der Berliner E-Commerce-Szene werden einige Unternehmen mit kreativen Innovationen vorgestellt. Um in der heutigen Wirtschaft erfolgreich bestehen zu können, braucht es neben einem gut umgesetzten Marketingkonzept auch ein einfallsreiches, neuartiges Produkt. Der Markt für alltägliche Gebrauchsgüter ist in großen Teilen gesättigt und die Konkurrenz durch finanzstarke Konzerne ist dort mächtig, deshalb sollte ein gutes Start-Up vor allem durch kreative Lösungen überzeugen.

Wimdu – die freundliche Alternative zum Hotel
Wimdu ging mit seinem Angebot im Jahre 2011 online und hat sich seitdem als eine Plattform etabliert, die Reisenden eine attraktive Alternative zu den klassischen Hotels, Apartments und Backpacker-Unterkünften bietet. Es expandiert zeit seines Bestehens mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit, was unter anderem daran liegt, dass es eine typische Win-Win-Situation für alle Beteiligten liefert. Den Anbietern von Unterkünften ermöglicht es einen gut bezahlten Nebenverdienst, und den Reisenden werden vergleichsweise günstige Übernachtungen aus einer breiten Auswahl von Möglichkeiten angeboten. Bereits ein Jahr nach seiner Gründung offeriert es dem Suchenden 50.000 Wohnungen und Zimmer in mehr als 100 Ländern und zählt inzwischen knapp 100.000 registrierte Benutzer, die von 350 Mitarbeitern betreut werden. Der Service ist auf 15 verschiedenen Sprachen abrufbar und garantiert auf diese Weise eine weltweite Abdeckung. Es erwirtschaftet seinen Profit ausschließlich auf Provisionsbasis über die abgeschlossenen Mietverträge. Dabei berechnet es sowohl dem Anbieter als auch dem Gast eine Gebühr, die bei 3 % für den Anbieter und 12 % für den Gast liegt, sodass es insgesamt 15 % des über die Webseite abgeschlossenen Umsatzes kassiert. Auf diese Weise erreichte das Start Up eine Finanzierung von aktuell 90.000.000 US-Dollar.

ReBuy – Gebrauchtes mit Gewährleistung
Dieses ebenfalls 2011 unter dem Label RE-Commerce gegründete Unternehmen war das Produkt einer siebenjährigen Erfahrung im Onlinehandel. Das Konzept von ReBuy ist einfach, aber simpel und überzeugend. Der Händler kauft Elektronik und Medien aus zweiter Hand von Interessenten und verkauft diese nach einer eingehenden Prüfung auf Funktion und Defekte weiter. Der Verkauf erfolgt dabei ausschließlich über Festpreise. Der Vorteil für den Kunden gegenüber den bisherigen Auktionshäusern ist offensichtlich: Er kauft zu einem vordefinierten Preis ohne Wartezeit von einem einzelnen Anbieter geprüfte Ware und muss sich somit nicht um ungenaue Beschreibungen oder dubiose Händler sorgen. Darüber hinaus bietet ReBuy auf die von ihm angebotenen Produkte eine Gewährleistung von 18 Monaten. Ursprünglich begann dieses Start-Up als eine Möglichkeit, gebrauchte Medien und insbesondere Computer- und Konsolenspiele zu tauschen. Schnell wurde jedoch aus dem Tausch der Handel und aus Spielen alle Arten von Medien. Innerhalb weniger Jahre erweiterten sich daraufhin sowohl Angebot als auch die Modalitäten, so dass heute neben Filmen, Musik und Spielen auch Elektronik vermarktet wird. Die Firma beschäftigt heute um die 300 Mitarbeiter und hat ihren Hauptsitz in Berlin Neukölln. Jedes Jahr wird mit der angebotenen Ware ein Umsatz in Höhe einer zweistelligen Millionensumme produziert.

Immobilienscout24 – Mieten und Handel
Immobilienscout24 ist unter den Start Up-Unternehmen bereits ein Veteran und eine der ältesten Gründungen in der Vorstellung. Die Firma wurde 1997 als EIB Wohn- und Immobilieninternetwork GmbH angemeldet und benannte sich im folgenden Jahr in die Immobilien Scout GmbH um. Gleichzeitig zog sie von München nach Berlin. Sie ist ein Subunternehmen der Scout24-Gruppe, die auch diverse andere Homepages mit Angeboten im Internet betreibt. Die Seite ist spezialisiert auf die Vermittlung von Immobilien und Wohnungen, gleichgültig ob es sich um Vermietung oder den Kauf bzw. Verkauf handelt. Die Bezahlung erfolgt ähnlich wie bei einer Annonce in der Zeitung durch den Auftraggeber, es steht ihm allerdings natürlich frei, diese auf den Kauf- oder Mietpreis aufzuschlagen. Das Unternehmen ist schnell gewachsen und beschäftigt heute über 500 Mitarbeitern, mit denen es den bundesweiten Markt mit Offerten aus Deutschland und zehn weiteren Ländern abdeckt. Der Service ist sowohl bei Anbietern wie auch bei Suchenden sehr populär und wird von über 100.000 Anbietern genutzt. Die Seite kommt insgesamt auf eine Zahl von 7 Millionen Besuchern und 2 Milliarden Klicks im Monat.

Brands4friends – Markenware zu günstigen Preisen
Hinter dieser Marke steht ein starker Investor, es ist die Auktionsplattform E-Bay. Brands4friends verkauft Markenware zu teilweise radikal reduzierten Preisen an seine Mitglieder. Durch ein breites Portfolio an Produkten und Dienstleistungen kann es eine Vielzahl von unterschiedlich interessierten Kunden an sich binden. Der Handel selber findet über sogenannte Aktionen statt, bei denen eine begrenzte Anzahl von Waren den registrierten Usern des Clubs angeboten wird. Der entscheidende Unterschied zu anderen Onlinehändlern liegt bei brands4friends darin, dass auf ein eigenes Lager und eine dementsprechende Logistik weitgehend verzichtet wird. Es kann also die Produkte zu einem wesentlich günstigeren Preis anbieten, da es weder Ausschuss noch unverkauftes oder unverkäufliches Material gibt. Stattdessen wird exakt die benötigte Stückzahl geordert und unmittelbar an die Kunden versendet. Der Nachteil dieses Konzept besteht in einer im Vergleich zu konventionellen Händlern deutlich längeren Lieferzeit von bis zu vier Wochen. Dennoch erfreut es sich steigender Popularität und kann mittlerweile auf über 4 Millionen Registrierungen verweisen. Die 200 Angestellten betreuen ca. 150 Aktionen im Monat, die Palette des Angebots umfasst 1200 verschiedene Produkte. Diese werden mit aufwendigen Werbeaktionen am Markt platziert, weshalb zu dem Unternehmen auch mehrere Fotostudios gehören.

Gamesduell – Online gegen den Rest der Welt
Es handelt sich bei Gamesduell um eine Onlineplattform, bei der die Benutzer in über 200.000 verschiedenen Spielen gegeneinander antreten können. Gespielt wird um reales Geld, das vorher über verschiedene Wege wie Paypal, Paysafecard, Kreditkarte oder per Überweisung auf das Spielkonto eingezahlt werden muss. Um den Service zu testen, erhalten Probespieler ein Guthaben von 10 Euro, das natürlich nicht abgehoben werden kann. Gewinne von echtem Geld werden per Banküberweisung gegen eine Gebühr an den Betreffenden ausgezahlt. Es ist auch möglich, einen Teil der Games ohne Einsatz kostenlos zu spielen, aber für sogenannte Gewinnspieler stehen erweiterte Optionen wie Turniere zur Verfügung. Die Internetseite ging 2003 an den Start und expandiert seitdem ohne Unterbrechung. Neben Berlin gibt es eine weitere Dependance in San Francisco. Inzwischen arbeiten 180 Mitarbeitern an der Entwicklung neuer Spiele und der Erweiterung der bestehenden. Es sind über 20 Millionen Benutzer registriert, die sich online oder über Mobilgeräte am Geschehen beteiligen können. Es genießt die Unterstützung großer Partner wie dem E-Mail-Provider web.de oder den Verlagsgruppen Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt) und Hubert Burda (Focus).

Wooga – Spielen in sozialen Netzwerken
Ähnlich wie Gamesduell ist Wooga ein Softwareunternehmen, das sich auf Online-Spiele spezialisiert hat. Im Gegensatz zu diesem wird jedoch kein echtes Geld eingesetzt, sondern das Unternehmen verbreitet seine Produkte durch die Integration in soziale Netzwerke wie StudiVZ und Facebook. Dadurch erreicht es eine weitreichende Vermarktung und konnte in dem kurzen Zeitraum seit seiner Gründung 2009 bis Ende 2011 über 40 Millionen Teilnehmer für seine Spiele begeistern. Innerhalb der ersten sechs Monate 2012 kamen noch einmal weiter 10 Millionen Kunden neu hinzu und die Tendenz ist weiter steigend. Diese werden von über 200 Mitarbeitern betreut und mit Neuheiten versorgt, wobei Wooga besondere Aufmerksamkeit auf die Anstellung von Frauen verwendet. Dies hängt mit dem Spielkonzept zusammen, das sich kurz als „Erschaffen statt Zerstören“ beschreiben lässt. Es geht dabei primär also nicht um den Wettkampf, sondern um das Kreieren neuer Welten und interaktive Kooperation. Ein Beispiel dafür ist das populäre Monster World, bei dem es darum geht, einen Garten zu konstruieren und deren Ertrag an andere Nutzer zu verkaufen. Gewinne erwirtschaftet das Start UP vor allem dadurch, dass bestimmte Komponenten und Bestandteile des Spiels mit „Münzen“ gekauft werden müssen. Diese können gegen echtes Geld relativ günstig erworben werden. So erschließt sich das Unternehmen eine stete Einnahmequelle, obwohl das Spiel an sich kostenlos ist. Es ist zwar theoretisch auch möglich, die benötigten Münzen selber zu erwirtschaften, dies ist jedoch vergleichsweise zeitraubend und langwierig.

Zanox – optimierte Online-Werbung
Das Geschäft mit der Online-Werbung boomt und Zanox ist einer der großen Profiteure dieses Aufschwungs. Im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten bietet es nicht einfache Bannerwerbung, sondern wird erfolgsabhängig gezahlt. Gegründet wurde es zu Jahrtausendwende von den drei Freunden Thomas Hessler, Heiko Rauch und Jens Hewald. Heute ist es im Mehrheitsbesitz der Axel Springer AG, der Rest von 47,5 % der Anteile liegt in den Händen der PubliGroupe AG aus der Schweiz. Es beschäftigt in seinen auf 12 Länder verteilten Filialen einen Mitarbeiterstab von über 600 Personen. Besonderen Wert wird bei Zanox auf die Transparenz und die enge Einbindung des Kunden in das Marketing gelegt. Die besonderen Stärken liegen bei Anbietern in dem Sektor der Telekommunikation und des Transportes, sowie bei Finanzprodukten und Onlineshops. Darüber hinaus vermarktet es jedoch Artikel aus allen Bereichen des weltweiten Handels. Es bietet dafür eine individuell auf das Produkt abgestimmte Werbekampagne und eine umfassende Analyse des Traffics und der Performance, um eine auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmte Strategie zu entwickeln. Als leitendes Unternehmen mit einer – für die Internetbranche – langen Erfahrung kann es so eine optimale Platzierung gewährleisten.

7 Kommentare

  1. Für Immoscout und GAMEduell gilt das Label "Startup" auch schon lange nicht mehr….

  2. Für Immoscout und GAMEduell gilt das Label "Startup" auch schon lange nicht mehr….

  3. Aber wenigstens ist rebuy.de ein aktuelles Start-up. Ist eigentlich wirkaufens.de (macht auch RE-Commerce aus Berlin?). Egal, ich wollte eigentlich nur allen den Tipp bei RE-Commerce geben vor jedem Verkauf die Ankaufspreise zu vergleichen. Hier gibt es erhebliche Unterschiede. Siehe Beispiel: Macbook Air 13.3“ 2009 2.13GHz 120GB SSD 2GB RAM: 370,53€ bei wirkaufens.de und 720€ bei rebuy.de! Gesehen auf http://www.verkaufsportale-vergleich.de/index.php
    Gruß
    Tobias

  4. Meine School of Professional ist E-Commerce, ich habe in E-Commerce-Entrepreneurship-Wettbewerb im Jahr 2011 teilgenommen haben, hoffe ich, dass die Menschen in E-Commerce-Venture beteiligen und wünschte ihnen.

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