Neue eBay Regel: Händler dürfen ihre Kontaktdaten nicht mehr veröffentlichen

Ab September 2017 ist es Händlern auf eBay grundsätzlich untersagt, Kontaktdaten in ihren Angeboten zu veröffentlichen. Das umfasst Telefonnummern ebenso wie E-Mail-Adressen und Faxnummern. Das Unternehmen will so verhindern, dass Geschäfte am Marktplatz vorbei getätigt werden. Die Händler sind frustriert wegen dieser Pläne, zumal deren Wirksamkeit von vielen Seiten stark angezweifelt wird.

Angeblicher Milliardenverlust durch Kontaktdatenmissbrauch

In einer internen Studie hat eBays US-Zentrale untersucht, wie viel Geld dem Unternehmen dadurch verloren geht, dass Händler und Kunden über den Marktplatz Geschäfte anbahnen, diese aber an eBay vorbei abwickeln. Angeblich ist eBay hierdurch bereits ein Schaden von 2,5 Milliarden US-Dollar entstanden, was einem Handelsvolumen von 25 Milliarden Dollar entspräche. Viele Branchenkenner betonen jedoch, dass es sich bei diesen Zahlen um hypothetische Werte handele und dass sich der von eBay angegebene Verlust nicht eindeutig nachweisen lasse. Entsprechend betont eBay in einer Stellungnahme, dass mit den neuen Maßnahmen die Sicherheit für Händler und Käufer auf dem Marktplatz erhöht werden solle. Gleichzeitig ist aber davon die Rede, dass verbotenen Transaktionen an eBay vorbei ein Riegel vorgeschoben werden solle.

Ab September 2017 dürfen Kontaktdaten nicht mehr veröffentlicht werden

In seinen sogenannten „Frühlingsnews“ hat eBay seine Händler über die anstehenden Veränderungen informiert. Denn bereits ab sofort wurden Änderungen am „Grundsatz für die Verwendung von Links“ vorgenommen. Ab sofort dürfen nur noch Links zu Produktvideos und zu rechtlich relevanten Informationen gesetzt werden. Ab September treten dann die neuen Regelungen zu den Kontaktdaten in Kraft. Dann dürfen außerhalb des Impressums, also den „Rechtlichen Informationen des Verkäufers“ keine Kontaktdaten mehr stehen. Bis zum September haben Händler Zeit, Angebote mit solchen Kontaktdaten zu identifizieren und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Ab September können dann keine neuen Angebote mehr hochgeladen werden, die Kontaktdaten enthalten.

eBay betont, dass die Händler bei der Umsetzung der neuen Richtlinien unterstützt würden. So hat das Unternehmen die betroffenen Onlinehändler angeschrieben und hilft ihnen bei der Identifikation von betroffenen Angeboten. Es wird aber ebenfalls klar gesagt, dass die Händler selbst dafür verantwortlich seien, dass ihre Angebote den eBay-Grundsätzen entsprächen. Sie müssten daher sorgfältig alle Telefonnummern, Faxnummern, E-Mail-Adressen und Links zu den Händlerprofilen in den sozialen Netzwerken entfernen. Eine weitere Aufgabe besteht darin, alle relevanten Links mit dem Attribut target=“_blank“ zu versehen. Links, die dieses Attribut nicht besitzen, werden ab Ende des Jahres nicht mehr richtig angezeigt.

Händler halten diese Maßnahmen für unverhältnismäßig und wenig effektiv

Die meisten Händler sind wegen der neuen Regelungen verstimmt. Sie kritisieren, dass die Mehrheit von ihnen für ein Fehlverhalten von Wenigen bestraft wird. Zudem empfinden sie das Verbot, Kontaktdaten zu veröffentlichen, als massiven Einschnitt in ihre Unternehmenskonzepte. Schnelle und direkte Kontaktmöglichkeiten seien ein wichtiges Serviceutensil, mit dem sich Unternehmen von der Konkurrenz absetzen und Kunden an sich binden können. Das gilt insbesondere für Anbieter von Produkten, bei denen Serviceleistungen und Wartung dazugehören. Die prominente Darstellung von Kontaktmöglichkeiten gehört im E-Commerce zu den harten Usability-Kriterien und sollte daher von jedem Anbieter geleistet werden. Das verhindert eBay durch die neuen Richtlinien jetzt.

eBay weist demgegenüber darauf hin, dass alle für den Kunden relevanten Informationen bereits in der Artikelbeschreibung vorhanden sein sollten, sodass eine zusätzliche Kontaktaufnahme überflüssig wird. Außerdem gäbe es auf der Plattform vorstrukturierte Felde für Fragen und Anliegen. Nicht zuletzt könne über das systeminterne Nachrichtentool Kontakt mit den Anbietern gesucht werden. Für die Händler sind diese Argumente wenig überzeugend. Für sie bedeute die Beantwortung von Kontaktanfragen wie Nachrichtentool einen immensen Mehraufwand, der keine Umsatzsteigerung mit sich brächte. Außerdem sei es mehr als fragwürdig, ob die von eBay ins Rollen gebrachten Veränderungen die gewünschten Wirkungen erzielen würden. Wer am Marktplatz vorbei Geschäfte tätigen wolle, werde das auch weiterhin tun. Bei den meisten Anbietern kämen solche Anfragen aber so gut wie nie vor.

> Patrick Tarkowski

Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Onlinemarketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin selber Händler und nutze Ebay lediglich dazu, mehr Traffic auf meine eigene Homepage zu leiten. Dazu habe ich einen Ebay-Shop, der mich jeden Monat 20 € kostet + Provision für ein Paar Artikel die ich verkaufe. Wenn ich nun dort keinerlei Informationen mehr hinterlassen kann/darf, werde ich meinen Shop dort schließen.

    Ich kann Ebay einerseits verstehen, doch andererseits schneidet Ebay sich damit ins eigene Bein. Schließlich kassiert Ebay von mir jeden Monat 20 Euro ohne dafür etwas zu leisten. Diese 20 Euro fallen nun weg und ich denke ich bin damit nicht alleine. Es würde mich sehr freuen, wenn die ganzen Verkaufsplattformen (Ebay, Amazon etc.) sich mit solchen Maßnahmen selber zu Grunde richten…… braucht kein Mensch diese zwischengeschalteten Geldabgreifer !!!!

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