E-Commerce im Endstadium – Japans Onlinehandel ist erwachsen

Japan und die Zukunft des E-Commerce

Wer wissen will, wie ein voll ausgereifter Onlinehandel aussieht, muss seinen Blick nur einmal nach Japan schweifen lassen. Die Internetdurchdringung ist extrem hoch, die mobile Abdeckung übersteigt die Bevölkerungszahl und es werden Umsätze im dreistelligen Milliardenbereich erwirtschaftet. Viele Services, die bei uns langsam Fuß fassen, sind in Japan längst etabliert. Der japanische Markt zeigt somit, welche Entwicklungen der E-Commerce nimmt und welche Erwartungen die Kunden haben und in Zukunft haben werden.

Der E-Commerce ist Teil der japanischen Lebenswelt

Während der E-Commerce in Sachen Infrastruktur, Bezahlfunktionen und mobiler Abdeckung hierzulande quasi noch in den Kinderschuhen steckt, ist er in Japan nahezu erwachsen. Das wird unter anderem daran deutlich, dass mit 100 Millionen Japanern (91%) nahezu die gesamte Bevölkerung im Internet unterwegs ist. Hiervon kaufen 76,9 Millionen (70%) online ein. Hierdurch wurden 2015 etwa 114,4 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht, wodurch Japan zum viertgrößten Markt weltweit aufgestiegen ist.

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Auch der M-Commerce ist viel stärker ausgeprägt als bei uns. So haben viele Menschen mehr als nur ein Smartphone, weswegen bereits von einer mobilen Abdeckung von 136% gesprochen wird. Unternehmen, die wissen wollen, wie es mit dem E-Commerce weitergeht und auf welche Entwicklungen und Kundenwünsche sie sich in Zukunft einstellen müssen, können das am japanischen Onlinehandel sehr gut ablesen.

Nur wer die japanische Seele versteht, kann erfolgreich verkaufen

Unternehmen, die in Japan Fuß fassen und erfolgreich verkaufen wollen, muss klar sein, dass die Menschen vor Ort am liebsten auf Online-Marktplätzen einkaufen. Nicht zuletzt deshalb sind die Marktplätze Rakuten und Amazon im Land der aufgehenden Sonne so beliebt. Während Rakuten allein 28% Marktanteile besitzt, kontrollieren Amazon Japan und Yahoo Japan Shopping zusammen etwa 22% des Marktes. Wer als Händler auf diesen Marktplätzen aktiv wird, hat es somit recht leicht, einen eigenen Onlinehandel in Japan aufzubauen. Allerdings muss hierfür ein speziell auf Japan zugeschnittener Service angeboten werden.

Die japanischen Kunden sprechen nämlich zu 99% ausschließlich japanisch. Das bedeutet, dass Produktbeschreibungen und Leistungsangebote auch in dieser Sprache verfügbar sein sollten. Zudem wird vielfach ein Kundenservice in der Landessprache erwartet. Wer diesen nicht bietet, kann zum Beispiel bei Rakuten gar nicht verkaufen. Ein Vorteil für Unternehmen ist, dass Retouren in Japan unglaublich selten sind. Allerdings wird standardmäßig eine Lieferung innerhalb eines Tages erwartet. Wer diese nicht bieten kann, wird schnell mit vielen schlechten Bewertungen abgestraft.

„Same Day Delivery“ gehört in Japan zum guten Ton

In vielen Ländern sind Lieferungen am selben Tag noch ein Luxusservice, für den zusätzlich bezahlt werden muss. In Japan gehört dieser Service bereits zum guten Ton. Wenn eine Bestellung nicht spätestens nach zwei Tagen ankommt, fragen die Kunden ungeduldig oder verunsichert nach. Dass dieser Service so einwandfrei funktioniert, liegt vor allem an zwei Besonderheiten des japanischen Marktes: Zum einen ist die Infrastruktur des Landes exzellent ausgebaut. Das gilt ebenso für den digitalen Bereich wie für die Postwege. Hinzu kommt, dass nahezu alle Japaner in unmittelbarer Nähe zu Städten leben und somit gut erreichbar sind. Deswegen werden von Amazon 80% der Bestellungen noch am selben Tag und 95% bis zum nächsten Tag ausgeliefert. Solche Services werden nicht nur goutiert, sondern von den Nutzern geradezu erwartet.

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