Warum die Digitalisierung den Weltuntergang wohl doch nicht auslösen wird

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Glück gehabt bei der Digitalisierung

Aktuell häufen sich dystopische Untergangszenarien, in denen postuliert wird, die Digitalisierung würde zu einem massiven Arbeitsplatzverlust und langfristig zum Aussterben der Mittelschicht führen. Solche Thesen, wie sie zum Beispiel Benedikt Frey in der Zeit vertreten hat, werden sich aller Voraussicht nach nicht bewahrheiten und schon gar nicht weltweit einheitlich. Hierfür sind die ökonomischen Grundvoraussetzungen unterschiedlicher Länder viel zu verschieden. Außerdem kommt es immer darauf an, was man mit einer neuen Technologie macht, meint der Professor für Wirtschafts- und Industriesoziologie der TU Dortmund, Hartmut Hirsch-Kreinsen – auch in der Zeit.

Die Digitalisierung könnte kaum mehr verteufelt werden

Aktuell malen viele Menschen in Bezug auf die Digitalisierung den Teufel nicht nur an die Wand, sondern auch an die Decke, die Tür, den Vorratsschrank und den Badezimmerspiegel. Immer wieder werden Zahlen veröffentlicht, die vermeintlich belegen, dass die Digitalisierung Millionen von Arbeitsplätzen kosten würde und eine existenzbedrohende Gefahr für die Mittelschicht darstelle. So behauptet etwa Benedikt Frey in der Zeit, dass mittelfristig 47% der Arbeitsplätze in den USA durch die Digitalisierung wegfallen würden.

Allerdings liegen von den Möglichkeiten einer neuen Technologie und ihrer tatsächlichen Anwendung häufig Welten. Außerdem wird bei solchen Gedankenspielen häufig übersehen, dass neue Technologien meist neue Arbeitsplätze entstehen lassen. Zudem sind die ökonomischen Grundvoraussetzungen unterschiedlicher Länder viel zu verschieden, um allgemeingültige Aussagen über die Auswirkungen der Digitalisierung treffen zu können. So ist die wirtschaftliche Lage in Großbritannien eine andere als in den USA, Deutschland und China. Deswegen ist es zu einfach zu behaupten, dass neue Technologien ganz generell Arbeitsplätze kosten werden.

Auf die richtige Umsetzung der Digitalisierung kommt es an

Von der ersten Idee für ein Produkt oder eine Technologie bis hin zu ihrem Masseneinsatz in der Breite vergeht extrem viel Zeit. Ein Produkt muss konzipiert, entwickelt, getestet, beworben, verkauft, von einer Mehrheit akzeptiert und von vielen genutzt werden, um erfolgreich zu sein. Das gilt auch für neue Technologien und den Bereich Digitalisierung. Bei all diesen Einzelschritten haben Unternehmen die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen und die entstehenden Technologien unterschiedlich zu nutzen. Es kommt darauf an, die Digitalisierung für den Menschen nutzbar zu machen und ihm seine Arbeit zu erleichtern, statt ihn zu ersetzen. Hinzu kommt, dass die ursprüngliche Idee für ein Produkt sich deutlich von der späteren Anwendung unterscheiden kann. So ist ein Mini-Computer wie ein Smartphone etwas ganz anderes als der Heim-PC, der sich zu Beginn der 90er Jahre durchsetzte, und dieser war wieder etwas ganz anderes als die computergesteuerten Fertigungsanlagen in den Fabriken und Unternehmen. Wie eine neue Technologie letztlich von den Unternehmen und Arbeitnehmern verwendet wird, lässt sich somit kaum gesichert vorhersagen.

Aus der Geschichte lernen

Die Gegner der Digitalisierung zeigen häufig ein beachtliches Maß an Geschichtsvergessenheit. So wurde beispielsweise bereits in den 1960er Jahren vorausgesagt, dass der Computer die menschliche Arbeitskraft bald vollständig ersetzt haben würde. Die technische Fertigung sei nicht mehr auf menschliches Zutun angewiesen und auch im Büroalltag und in anderen Arbeitsbereichen würde die neue Technologie bald die Herrschaft übernehmen. Wie wir heute wissen, ist es ganz anders gekommen. Nicht nur werden trotz des Einsatzes von Computern immer noch Menschen in klassischen Jobs gebraucht, sondern die Computerwelt hat zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen lassen. Man kann niemandem vorwerfen, dass er in den 1960ern die Entstehung des Berufes „App-Entwickler“ noch nicht vorhergesehen hat, doch man kann allen einen Vorwurf machen, die den Menschen Angst vor Computern und neuen Technologien gemacht haben.

Ebenso wird es mit der Digitalisierung ablaufen. Das Internet hat zahlreiche neue Jobs geschaffen, die es vor 50 Jahren einfach noch nicht gegeben hat und nicht geben konnte. Zwar gab es kurzfristig einen Wegfall vieler klassischer Arbeitsstellen, aber ein Aussterben der Mittelschicht ist nach wie vor nicht zu beobachten. Zumindest keines, das durch neue Technologien ausgelöst würde. Die Menschen suchen sich neue Betätigungsfelder, wenn alte wegbrechen. Ebenso wird auch die Digitalisierung neue Arbeitsmöglichkeiten hervorbringen, von denen wir heute noch nicht einmal träumen. Zwar kann niemand vorhersagen, wie viele Arbeitsplätze das sein werden, aber ebenso skeptisch sollten wir allen konkreten Zahlen gegenüber sein, die uns sagen wollen, wie viele Arbeitsplätze die Digitalisierung kosten wird. Sonst wird man über uns in 50 Jahren ebenso lachen wie über die Computerkritiker von vor 50 Jahren.

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> Patrick Tarkowski

Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Onlinemarketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.

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