Datenschutz vs. digitale Wertschöpfung

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Einige enge Kollegen von mir haben nix mit Web 2.0, Facebook, Twitter und Co am Hut. Ich hatte im letzten Jahr mal die Facebook Einladungsfunktion genutzt und darauf null Konversionrate gehabt. Seit dem haben wir auch kaum darüber gesprochen. Vorgestern wurden 2 dieser Kollegen die gleichen  Einladungen wieder zugestellt. Warum weiss der Geier. Ich war es nicht. Auf jeden Fall meldete sich Kollege A. Er hatte die 2te. Einladung aufgemacht und sich einfach mal angesehen.

Dabei ist ihm aufgefallen, dass im unteren Bereich der Einladung ein Abschnitt ist mit der Überschrift:

„Weitere Personen auf Facebook, die du vielleicht kennst:“

und dort 2 Personen abgebildet waren, die er in der Tat kannte. Die Frage, die jetzt aufkommt lautet: Woher hat Facebook diese Informationen?

Zum Sachverhalt der Bekanntschaften untereinander:

Person 1: Ist ein Bekannter aus der gleichen Straße. Ein direkter Kontakt über das Internet besteht nicht, sie schreiben sich keine Mails. Allerdings sind beide in dem Netzwerk StayFriends und haben sie sich als Bekannte geaddet. Es bestand kein Austausch von Nachrichten über dieses Netzwerk.

Person 2: Der Kollege und Person 2 kennen sich über einen Verein. Er kennt die Mailadresse (AOL) und es kann gut sein, dass sie sich mal eine Mail geschrieben haben. Die beiden haben keine Verbindungen über Social Netzwerke. Mein Kollege selbst nutzt eine Mailadresse über eine private Domain und entsprechender Infrastruktur.  Seine Sicht auf die Vorschlagsmail hat er hier veröffentlicht.

Ein weitere Kollege von mir sah sich darauf seine Mails einmal genauer an und hatte ebenfalls die 2te Ausgabe der Einladungsmail erhalten. Auch hier gab es den Bereich „Weitere Personen auf Facebook, die du vielleicht kennst:“ Hier gab es nur eine Personenempfehlung, aber trotzdem hatte die Technik hinter Facebook einen guten Job gemacht. Die beiden kennen sich. Woher? Der eine hat dem anderen mal via ebay Kleinanzeigen eine Deckenlampe abgekauft. Die Person hat einen Gmail Account und mein Kollege nutzt web.de. Ich selbst kenne keine der empfohlenen Personen.

Woher hat Facebook diese Informationen?

Gibt es da draussen einen Datenhandel, der mittlerweile Identifikationsmerkmale und Strukturinformationen enthält? Crawlt irgendjemand und reichert die vorhandenen eigenen Daten mit Daten andere Netzwerke an? Verkaufen Mailprovider die Information x hat an y geschrieben? Wer speichert wann ein Cookie auf dem Rechner, mit welchen Informationen ist das Cookie versehen. Ich kann den normalen Internetuser verstehen, der sich sorgen um seine Daten und seine Privatsphäre macht, selbst ich kann auch Anhieb nicht nachvollziehen warum die Daten so gut matchen. Der User ist erschrocken wenn er sowas sieht und macht sich seine Gedanken. Woher kommen die an diese Informationen? Wie machen die Das? sind die zentralen Fragestellungen. Da so etwas dem Nutzer nicht gefällt, greift er zu Gegenmitteln.

Die andere Seite der Medaille

Dann lese ich zur gleichen Zeit den Blogbeitrag „Spyware schützt gegen Affiliate Marketing?! – eine traurige Bildergeschichte„. Der Autor Andre Alpar ist ein typischer Webworker und hat irgendwie immer etwas mit Affiliate Marketing zu tun. Er schreibt in seinem Beitrag darüber, dass das Tool Spyware viel mehr macht als es eigentlich sollte. Statt sich um Schadsoftware zu kümmern, nimmt es sich auch den Bereich der Cookies vor. Hier wird gnadenlos gelöscht und nicht nur das Böse in Form von Mal- und Spyware, sondern auch die Cookies, die ein Bestandteil der digitalen Wertschöpfungskette sind:

  • yieldmanager.com
  • affiliatefuel.com
  • azoogleads.com
  • commission-junction.com
  • cpxinteractive.com
  • doubleclick.com
  • linksynergy.com
  • mediaplex.com
  • tradedoubler.com
  • valueclick.com

Das Tool verbrennt eine Menge Geld und die Affiliates werden für ihre Arbeit nicht bezahlt, der Merchant wird zukünftig sein Affiliate-Management auf Basis verfälschter Zahlen planen. Die Einsparungen durch die nicht ausgezahlten Vermittlungsprovisionen an die Affiliates werden von den Mehrkosten, die das Ausgangsmaterial – die verfälschten Zahlen – verursacht, aufgefressen. Das Betreuen von Affiliateprogrammen wird oftmals von Agenturen begleitet, die perfomanceorientiert arbeiten. Auch hier – alles auf Basis verfälschter Daten durch das eigentlich sinnvolle Tool zum Schutz der Privatspähre.[ad#Large Rectangle]

Spybot wird von der Safer-Networking Limited zum kostenlosen Download angeboten. Spybot ist im Heise Download Verzeichnis auf Rang 22 der Downloads, Chip listet Spybot mit 9.991.344 Downloads, Softonic mit 141.321 Downloads, Computerbild kommt auch 181.564 Downloads und das internationale Downlaodverzeichnis download.cnet.com gibt 111.782.135 Downloads total, 115.057 in der letzten Woche an. Selbst wenn man 2-3 fach Installationen abzieht, sind da draussen einige 100.000 Rechner, die sich der digitalen Wertschöpfung entziehen.

Das ist also die andere Seite der Medaille. Die „Personen Vorschlagfunktion von Facebook“ und „Andres Artikel zu Spybot“ haben auf den ersten Blick keine direkte Verbindung miteinander. Doch zeigen sie auf, das Daten gesammelt und angereichert werden, und das es auf der anderen Seite die Nutzer gibt, die verständlicherweise etwas dagegen unternehmen und uns unsere Geschäftsgrundlage beschädigen. Letztendlich gehe ich davon aus, dass die Safer-Networking Limited in kürze Post von den großen Netzwerkbetreibern bekommt, mit der Bitte, die Cookies nicht als schädlich einzustufen, was sie ja in der Tat nicht sind. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, die in den kommenden Zeiten auf uns zukommt.

Wie ist eure Meinung zu den beiden Beispielen?

Kleines Update: Noch einen nettes Posting zum Thema Datensammlung bei Facebook gefunden

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> Mirko Peters

Mirko Peters ist als Medienkaufmann und Global Digital Marketing Analyst bei Sivantos. Er berät und betreut Unternehmen und Marken in den Themenfeldern E-Commerce, Online-Marketing und Internet-Strategie und begleitet federführend komplexe Projekte. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Datenanalyse, das Projektmanagement sowie die Entwicklung und Umsetzung effizienter Online-Marketing-Strategien sowie die Umsetzung von komplexen Online-Shops und deren Backend-Prozesse.