Wie Amazon am 22.03.2010 im Kontobereich seiner Verkäufer bekanntgab, soll für Marketplace Händler künftig „Preisparität“ gelten, d.h. dass der Artikelpreis und der Gesamtpreis (insgesamt zu zahlender Preis, ohne Steuern) für alle Artikel, die ein Verkäufer auf Amazon.de anbietet, im Vergleich zu anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen dieses Verkäufers, grundsätzlich gleich günstig oder günstiger sein müsse. Zu den nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen zählt auch der eigene Online Shop eines Verkäufers.

Die Begründung, die das Unternehmen aus Seattle/Washington anführt, lautet: „Wir glauben, dass dies das Kundenvertrauen stärkt, was zu mehr Kunden und damit mehr Umsatz führen und so den Wert von Amazon.de Marketplace für Verkäufer erhöhen kann.“ Der Eingriff in die freie unternehmerische Entscheidung der Preissetzung im eigenen Online Shop und der Preissetzung auf alternativen Vertriebskanälen zu Amazon Marketplace bleibt unkommentiert. Inwieweit die neue Richtlinie Amazons mit europäischen kartellrechtlichen Bestimmungen ggf. kollidiert und ein Missbrauch einer möglicherweise marktbeherrschenden Stellung vorliegt, bleibt zu prüfen.

Obwohl die Änderungen bereits am 31. März 2010 in Kraft treten werden, soll den Verkäufern noch bis zum 1. Mai 2010 Zeit eingeräumt werden, die notwendigen Änderungen für die Preisparität umzusetzen. Geschehe dies nicht, behalte man sich einen Ausschluss des unwilligen Verkäufers vom Amazon Marketplace vor. Die Reaktionen von Online Händlern auf Amazons Preisparität können gelinde formuliert als „verhalten“ bezeichnet werden. Eine Umfrage des Amazon Marketplace-Mitbewerbers www.hitmeister.de unter seinen gewerblichen Verkäufern hat ergeben, dass 90% empört von der neuen Amazon-Vorgabe sind:

„Wo Gebühren anfallen, müssen diese auch in den Preisen einkalkuliert werden, sonst legt man drauf. Amazon hat unverschämt hohe Gebühren. Außerdem beschneidet dies die freie Marktwirtschaft.“

„Diese Preisparität ist für uns nicht hinnehmbar.“

„Dies ist immer noch ein freies Land, mit einer funktionierenden Marktwirtschaft. Dies werden wir uns ganz sicher nicht von Amazon einschränken lassen, es gibt ja Gott sei Dank viele Marktplätze….“

Es haben sich daher 45 % der gut 100 antwortenden Verkäufer entschlossen, einen Teil bzw. alle Angebote auf Amazon Marketplace zu löschen. Weitere 30 % werden nichts an Ihren Preisen ändern. Vor diesem Hintergrund und auch aufgrund der Unklarheit der rechtlichen Lage, bleibt abzuwarten, inwieweit die Vorgabe zur Preisparität von Amazon tatsächlich von den Verkäufern umgesetzt wird.

> Mirko Peters

Mirko Peters ist als Medienkaufmann und Senior E-Commerce Manager seit 2002 auf Agentur- und Unternehmensseite. Er berät und betreut Unternehmen und Marken in den Themenfeldern E-Commerce, Online-Marketing und Internet-Strategie und begleitet federführend komplexe Projekte. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Datenanalyse, das Projektmanagement sowie die Entwicklung und Umsetzung effizienter Online-Marketing-Strategien sowie die Umsetzung von komplexen Online-Shops und deren Backend-Prozesse.

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3 Kommentare

  1. Das ist echt frech. Und Amazon selbst macht unterschiedliche Preise für verschiedene Kunden.

  2. Amazon ist in sein ‚Kingdom‘ König, genau wie Google.
    Ich bin gespannt ob die Amazon-Marketplace Verkäufer folgen oder wirklich rebellieren gegen Amazon. Entweder man geht mit den König oder verlasst sein Land. Frage ist was der König macht mit ein Land ohne Volk?

  3. Wir haben uns von Amazon getrennt. Wo soll das hinführen?
    Wir bieten Service und dazu benötigt man einiges an Personal und das kostet ja bekanntlich auch Geld.
    Wir mussten einfach die 15% Provision weitergeben um nicht den DB zu schaden.

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