Was Sie über die neuen Domain-Endungen wissen sollten

Vor etwa 20 Jahren tauschte die Deutsche Post die vierstelligen Postleitzahlen gegen fünfstellige aus, was bei der Kundschaft Verwirrung und teilweise auch Ratlosigkeit zur Folge hatte. Nutzer des World Wide Web befinden sich nun in einer ähnlichen Situation: Seit dem 5. Februar 2014 wird das Internet schrittweise um neue Domain-Endungen erweitert. Die vielen so geschaffenen Möglichkeiten stoßen auf positive wie negative Resonanz.

Gründe für die Einführung neuer Domain-Endungen
Der bedeutendste Grund für die Einführung neuer Domain-Endungen liegt darin, dass die besten Namen mit den altbekannten Endungen schon vergeben sind. Es stehen immer weniger kurze – und damit einprägsame – Adressen unter den bisherigen Top-Level-Domains zur Verfügung. Vor allem die generischen Endungen ‚.net‘, ‚.org‘ und ‚.com‘ sowie ihre länderspezifischen Pendants, etwa ‚.de‘ oder ‚.at‘, verzeichnen seit einigen Jahren eine enorme Nachfrage, sodass viele denkbare Zeichenketten auf erster und zweiter Ebene belegt sind. Dadurch wird es immer schwieriger, neue Namen zu registrieren, die tatsächlich Sinn ergeben. Hier kommen die neuen Top-Level-Domains ins Spiel: Sie sollen mehr Freiraum schaffen und zugleich die Gelegenheit bieten, Internet-Adressen so zu gestalten, dass sie einen engen Bezug zu bestimmten Themen oder Orten haben. Beispielsweise lassen sich dank der Erweiterung Domains mit der Endung ‚.hamburg‘ oder ‚.berlin‘ registrieren. Ebenfalls zur Verfügung stehen etwa ‚.sport‘ oder ‚.reise‘. Der Mitbegründer von United Domains, Markus Eggensperger, ließ verlauten, dass die erweiterten Freiheiten bei der Namensfindung überfällig seien. Der Unternehmer aus Starnberg ist einer der Registrare, welche die neuen Internetadressen vermitteln. Bei inzwischen über 100 Millionen registrierten ‚.com‘-Domains und rund 15 Millionen ‚.de‘-Endungen hätte es nun kaum noch Spielraum für weitere Firmenbezeichnungen gegeben.

Zahlreiche Top-Level-Domains fluten das Internet
Nachdem die ICANN – Internet Corporation for Assigned Names and Numbers – bereits vor über einem Jahrzehnt viele neue Top-Level-Domains einführte und im Juni 2008 die Regeln für neue Endungen radikal lockerte, müssen sich die Internetnutzer einmal mehr an neue Domains gewöhnen – die bisher üblichen Adress-Endungen gibt es aber natürlich weiterhin. Insgesamt soll das Internet künftig etwa 1400 Top-Level-Domains bieten, wobei ein Teil markenspezifisch ist, während alle anderen auch von der Öffentlichkeit registriert werden können. Die Freischaltung der neuen Endungen erfolgt Schritt für Schritt: ‚.bike‘, ‚.clothing‘, ‚.singles‘, ‚.ventures‘, ‚.plumbing‘, ‚.holdings‘ und ‚.guru‘ eröffneten den Reigen am 5. Februar. Insbesondere die letztgenannte Top-Level-Domain erfreut sich schon jetzt großer Beliebtheit. Ergänzend kommen in nächster Zeit zahlreiche weitere Endungen hinzu, beispielsweise ‚.cool‘ und ‚.pink‘.

Die Preise der neuen Endungen
Viele Registrare bieten die neuen Endungen im Abonnement an. Bei United Domains kosten die günstigsten Pages jährlich 15 Euro. Andere Endungen, wie etwa ‚.diamonds‘, sind für über 40 Euro zu haben. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die neuen Top-Level-Domains einen tieferen Griff in die Tasche erfordern als die herkömmliche ‚.de‘-Endung. Vermutlich liegt der preisliche Unterschied darin begründet, dass die Domain-Flut mehr Arbeit mit sich bringt. Eine andere Annahme bezieht den ICANN und „Donuts“ – das von der US-Internetbehörde mit der Zuteilung beauftragte Unternehmen – ein: Möglicherweise wittern sie das große Geschäft. Besonders begehrte Namen, beispielsweise ‚blumen.shop‘, sind am teuersten und können bis zu 900 Euro pro Jahr kosten.

Diskussionen um das RAA

Im Juni 2013 verständigte sich die ICANN mit den Registraren auf eine Neufassung des Registrar Accreditation Agreement – kurz RAA. Zu den damit verbundenen zahlreichen Änderungen gehört die Pflicht, die Daten des Inhabers einer Domain im Rahmen der Registrierung zu validieren. Zusätzlich soll eine Art Vorratsdatenspeicherung die wichtigsten Angaben des Domain-Inhabers – wozu der vollständige Name, die Adresse, Telefonnummer, E-Mail und WHOIS-Daten zählen – für die Registrare sichern, und zwar über die gesamte Dauer des Vertragsverhältnisses sowie zwei weitere Jahre nach dessen Ende. Die unter anderem mit Vertretern der Datenschutzbehörden aus der EU-Kommission besetzte „Art. 29 Data Protection Working Party“ erhob gegen diese Vorgehensweise erhebliche datenschutzrechtliche Einwände. Daraufhin versuchte die ICANN, diesen Bedenken durch eine im RAA enthaltene Verzichtserklärung zu begegnen. Diese besagt, dass ein Registrar die Möglichkeit hat, eine Befreiung von der Pflicht zur Datenspeicherung zu verlangen. Gleichzeitig sprach die ICANN der „Working Party“ die Kompetenz ab, für europäische Registrare eine verbindliche Stellungnahme zum Vorliegen eines Rechtsverstoßes abzugeben. Anfang Januar 2014 folgte die Retourkutsche der „Working Party“: Die ICANN habe den geäußerten Bedenken nicht ausreichend Rechnung getragen; zudem dürften personenbezogene Daten laut europäischem Gesetz nur für den Zeitraum der andauernden Registrierung aufbewahrt werden. Insofern forderte die „Working Party“ neuerlich, die ICANN möge die Stellungnahme eines in Europa ansässigen Domain-Registrars, der eine Befreiung verlangt, als verbindlich anerkennen. Geht die ICANN nicht darauf ein, dürfen lediglich jene Registrare, welche das reformierte RAA akzeptieren, ihren Kunden neue globale Domain-Endungen anbieten.

Pro und Contra der neuen Domain-Endungen

Dank der Vielzahl an neuen Domain-Endungen eröffnen sich mehr Möglichkeiten, eine für das jeweilige Anliegen passende Adresse im Internet zu schaffen. Allerdings ist es aufgrund der enormen Nachfrage nicht sehr wahrscheinlich, die gewünschte Domain zu ergattern. Gelingt es doch, sollte sich der Glückliche jedoch nicht allzu viel erhoffen, denn: Welche Page im Netz gefunden wird und welche nicht, liegt in der Hand der Suchmaschinen. Google kündigte an, seinen Suchalgorithmus zunächst nicht umzustellen. Ein weiterer unklarer Punkt betrifft die Resonanz des Publikums: Noch gibt es Zweifel, ob die neuen Seiten wirklich gut ankommen. Klar scheint, dass das Internet durch die zahlreichen Top-Level-Domains deutlich an Übersichtlichkeit verliert. Viele Nutzer dürften sich sehr verwirrt fühlen. Findet sich etwa die Deutsche Bank auch künftig unter ‚deutschebank.de‘ oder wird die Seite stattdessen in deutsche.bank umgetauft? Fragen dieser Art bedürfen rasch eindeutiger Antworten. Andernfalls ist durchaus denkbar, dass die Bedeutung von Domains zukünftig sinkt.

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